Der Wolf ist zurück in seinem Revier – als Trainer

Veröffentlicht am: 13. Dezember 2017

In drei Wochen steigt in Oberhof der BMW IBU Biathlon Weltcup. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und das Wettkampfgelände nimmt langsam Gestalt an. Die Aufbauarbeiten für das VIP-Zelt und das Zelt unseres Sponsors DKB haben begonnen. In den vergangenen Tagen konnte auch wieder Schnee produziert werden. Schon mehr als 53 000 Karten wurden für die vier Wettkampftage verkauft. Es sieht also sehr gut aus am Grenzadler.

Und dieser Grenzadler, der Rennsteig, Oberhof, die DKB SKI ARENA waren für Alexander Wolf viele Jahre die sportliche Heimat. Das war „Wolfs Revier“. Dort trainierte er, reifte bei besten Trainingsbedingungen am Grenzadler zu einem Top-Biathleten und schaffte schließlich 1998 den Sprung in das Weltcupteam. Dort feierte er drei Siege im Sprint und fünf mit der deutschen Staffel. Bei Weltmeisterschaften sammelte er zwei Bronzemedaillen. Im März 2013 beendete der am 21. Dezember 1978 in Schmalkalden geborene und heute in Herges-Hallenberg wohnende Alexander Wolf seine Karriere. Doch jetzt ist „der Wolf“ zurück in seinem Revier – als Trainer. Bei der Ausbildung des Thüringer Nachwuchses trägt er seinen Teil dazu bei, dass auch künftig Weltklasse-Biathleten aus Oberhof in den Stadien und auf den Loipen dieser Welt für Furore sorgen.

Alexander Wolf, in wenigen Wochen steht der Biathlon-Weltcup in Oberhof an. Werden Sie vor Ort sein und wie groß ist die Vorfreude darauf?

Ich werde nicht vor Ort sein, da wir mit unserem Nachwuchs an diesem Wochenende den Deutschlandpokal am Notschrei bestreiten. Aber verfolge natürlich die Rennen, erstens um meinen alten Teamkollegen Erik, Arnd, Benni und Simon die Daumen zu halten, aber auch um zu sehen wie sich Oberhof als Weltcupstandort präsentiert. Oberhof war zu meiner Zeit immer ein absolutes Highlight, mit spannenden Rennen und einer beeindruckenden Atmosphäre. Auch im letzten Jahr waren die Rennen eine riesen Werbung für den Biathlonsport. Ich erinnere nur an dem Massenstart-Zielspurt-Duell zwischen Simon Schempp, Erik Lesser und Martin Fourcade.

Wann ist bei Ihnen die Entscheidung gereift, nach dem Ende der leistungssportlichen Karriere die Laufbahn eines Trainers einzuschlagen?

Im Frühjahr 2013, nach dem Ende meiner Laufbahn, hat es die ersten Gespräche mit dem DSV (Deutscher Skiverband, Anm. des Verfassers) gegeben. Man konnte sich dort gut vorstellen, dass ich die Trainerlaufbahn einschlage. Da es bei der Bundespolizei zu dieser Zeit keine Trainerstelle gab, wurde ich freigestellt und vom DSV angestellt.

Wo fand die Ausbildung statt und wie lange hat sie gedauert?

Ab Oktober 2014 habe ich mein Trainerstudium an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB, Anmerkung des Redakteurs) in Köln aufgenommen. Im September 2017 habe ich das Studium in Köln mit dem Diplomtrainer des DOSB abgeschlossen. Lehrgänge für die Trainerscheine bis zur A-Lizenz hatte ich schon vorher absolviert. Ab April 2014 arbeitete ich als begleitender Trainer für Thüringer Vereine und betreute Langlauf- und Biathlon-Trainingsgruppen. Das heißt, ich war  einmal pro Woche in den betreffenden Vereinen vor Ort. Dort konnte ich auch von den erfahrenen Vereinstrainern viel lernen. Ich denke, dass dieses Konzept sowohl den Langläufern als auch den Biathleten viel gebracht hat.

Wann erfolgte der Wechsel an das Sportgymnasium und welches Alter haben die Sportler in Ihrer Trainingsgruppe?

Seit dem April 2016 arbeite ich als Trainer am Sportgymnasium. Ich betreue gemeinsam mit Stephan Seidel die Aktiven ab dem Jahrgang 2001. Sie sind also 16 Jahre oder älter. Das ist die Gruppe, in der die Sportler bis zum Abitur trainieren.

Also das wichtigste Alter für einen Nachwuchssportler?

Das kann man so nicht sagen. Klar werden in diesem Alter die Weichen gestellt, wohin die sportliche Laufbahn führt. Aber jedes Alter ist für die Entwicklung eines Sportlers wichtig. Und es ist jeder Trainer wichtig. Angefangen von dem, der vielleicht schon in der Vorschule das Talent eines Kindes entdeckt bis hin zu uns. Und es ist auch wichtig, wie trainiert wird. Werden in den jungen Jahren die Grundlagen nicht gelegt, können wir auch nicht mehr viel erreichen.

Wie steht es um den Thüringer Biathlon-Nachwuchs?

Ich denke, dass wir in der Jugend gut aufgestellt sind. Die vergangene Saison verlief ganz erfolgreich und auch der erste Wettkampf dieser Saison, der Nordcup im Oktober, lief richtig gut. Die Jungs sind motiviert und das Teamgefüge passt. Also ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind.

Traust Du einen Deiner Schützlinge zu, es einmal in die Weltcup-Mannschaft zu schaffen?

Ich denke schon, dass einige Aktive aus unserer Trainingsgruppe die Chance dazu haben, mal in die Fußstapfen von Erik Lesser zu treten. Es wäre aber nicht gut, hier Namen zu nennen und andere Namen nicht. Ein Sportler kann einen immer überraschen. Wenn ich auf mich schaue, dann muss ich sagen, dass ich ein echter Spätstarter war und als ich an das Sportgymnasium kam definitiv nicht zu den Besten gehört habe. Es muss aber einfach unser Anspruch sein, eine neue erfolgreiche Generation Thüringer Biathleten hervorzubringen. Daran arbeiten wir. Es gibt viele Faktoren, die für die Entwicklung eines erfolgreichen Sportlers wichtig sind. Trainingsfleiß und Talent gehören ebenso dazu wie die Bereitschaft, Entbehrungen auf sich zu nehmen.

Oberhof bewirbt sich wieder für eine Biathlon-WM. Was passt schon und was muss sich noch tun in Oberhof?

Oberhof war mal das Mekka des Biathlon-Sports. Wir hatten die beste Stimmung und wir hatten die Attraktionen. Zum Beispiel die Wolfsschlucht. Ich finde es schade, dass sie aus dem Streckennetz genommen wurde. Keiner der Sportler hat früher über den Nebel gesprochen. Sie wollten alle nach Oberhof wegen dieser unglaublichen Stimmung. Oberhof muss sich dieses Flair zurückholen. Die Fans müssen nach den Rennen glücklich nach Hause gehen. Aber ich denke, dass da der vergangene Weltcup schon eine sehr gute Werbung war. Natürlich muss die Infrastruktur stimmen und die Vorgaben der IBU erfüllt werden. Da gilt es jetzt, die Mittel die für den geplanten Umbau bereitgestellt werden, sinnvoll einzusetzen. Aber wir sollten auch nicht vergessen, wieder die echten Biathlon-Fans für Oberhof zu begeistern. Ich denke, dass es zum Beispiel gut wäre, den Leuten, die zur deutschen Meisterschaft im September kommen, ein Vorkaufsrecht für Weltcup-Karten einzuräumen. Denn das sind die echten Fans. Und die haben in den Jahren, als der Weltcup immer nach einem Tag ausverkauft war, oft keine Tickets bekommen. Und wenn sie heute lieber nach Hochfilzen oder Nove Mesto fahren, dann müssen wir es schaffen, dass Oberhof wieder der Höhepunkt der Biathlon-Saison für die Fans wird. Dann kommt auch niemand an Oberhof als Weltcup-Standort vorbei.