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Stellungnahme / Teil II zum Raumordnungsverfahren Wasserspeicherkraftwerk Schmalwasser

Thüringer Landesverwaltungsamt
Abteilung III Bauwesen und Raumordnung
Referat 350
Weimarplatz 4
99423 Weimar

Stellungnahme / Teil II zum Raumordnungsverfahren Wasserspeicherkraftwerk
Schmalwasser I Zeichen : 350-81-613/11-GTH

Der Thuringer Skiverband Iehnt den von der TRIANEL GmbH vorgesehenen Bau des Oberbeckens fur das geplante Wasserspeicherkraftwerk Schmalwasser in unmittelbarer Nähe des Rennsteigs am Oberlautenberg auch nach Vorlage des Klimagutachtens für die Auswirkungen des geplanten Oberbeckens mit Schwerpunkt Einfluss auf Schneedecke/August 2013 ab. Die Ablehnung stützt sich außerdem auf Empfehlungen des vom Ministerium fur Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz im Juni 2013 herausgegebene ,,Integrierte Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thuringen” (IMPAKT).

Begründung

Im Mittelpunkt des Klimagutachtens stehen wegen der Nähe der Rennsteigloipe (Entfernung z.T. nur 100 m ) mögliche Einflüsse durch die neue Wasserfläche auf die Schneesicherheit der Loipe und damit auf den Wintersport und den Wintertourismus. Im Klimagutachten wurden für Wetterbedingungen, die eine Beeinflussung der nahen Rennsteigloipe vermuten lassen, Modellrechnungen mit Eingangsdaten von Istzuständen auf thermodynamischer Grundlage durchgeführt.

Kernaussagen des Gutachtens zu Temperaturerhöhungen und Abschmelzvorgangen einer vorhandenen Schneedecke
Bis zu einer Entfernung von 600 m von der entstehenden Wasserfläche kann es bei bestimmten Wetterbedingungen am Südrand des geplanten Oberbeckens zu geringen Temperaturerhöhungen und als Folge zu Abschmelzvorgängen der durch Präparation stark verdichteten Schneedecke der Rennsteigloipe kommen. In dem genannten 600 m Bereich liegen 1,2 km der Rennsteigloipe (S 48 des Gutachtens). Die entsprechenden Wetterlagen mit Lufttemperaturen um 0°C und Windgeschwindigkeiten um 5m/s aus nördlichen Richtungen treten relativ selten auf. Der prozentuale Zeitanteil betragt in 1 Wintersaison etwa 9% (S 55 des Gutachtens).
Die als Folge auftretenden mittleren Abschmelzraten einer verfestigten Schneedecke liegen zwischen 0,1 und 0,3 cm/Monat (S 55 des Gutachtens).
Während einer Wintersaison ist auf dem betrachteten Loipenabschnitt im Mittel mit einer Abschmelzrate von 0,6 cm der verfestigten Schneedecke durch den EinfluR der entstehenden Wasserfläche zu rechnen (S 55 des Gutachtens).
Abschliegend heißt es auf 558 im Gutachten: "Nach den durchgefuhrten Untersuchungen liegen die von der geplanten Wasserflache ausgehenden Abschmelzeffekte an der Loipe am Rennsteig deutlich unter der Nachweisgrenze. Die Aussage gilt auch fur die anderen Loipen im Umfeld des Oberbeckens".

Hinweise für Ergänzungen des Gutachtens
Bedauerlicherweise werden im Gutachten nur mittlere monatliche Abschmelzraten angegeben. Es gibt keine Abschätzung für den ungünstigsten Fall, der sich über eine extreme Häufung der für den Abschmelzvorgang relevanten Wetterlagen definiert. Ebenso werden im Gutachten keine Aussagen für die übrigen Uferzonen und für Abschmelzraten von Neuschnee getroffen. Es ist davon auszugehen, dass Lufttemperaturen um 0°C und Windgeschwindigkeiten um 5 m/s bei West— und Südwestwind deutlich häufiger als bei nördlichen Winden auftreten und deshalb die Norduferzonen starker durch Abschmelzvorgange beeintrachtigt werden und dass sich die Abschmelzraten für Neuschnee gegenüber verdichtetem Altschnee etwa verdoppeln. Die für das Bauvorhaben ungewöhnlich großen Veränderungen in der Landnutzung im Kammbereich des Thüringer Waldes werden eine starke Modifikation des Windfeldes mit noch nicht absehbaren Wirkungen zur Folge haben. Fragestellungen zum Wind wurden auch am Runden Tisch heftig diskutiert. Entsprechend der Aussage im Gutachten auf Seite 2 / 2. Absatz "Weitere Auswirkungen aus klimatischer Sicht, wie z.B. Erhöhung der Windgeschwindigkeit und Nebelhäufigkeit werden zu einem späteren Zeitpunkt betrachtet." und anknüpfend an Diskussionen am Runden Tisch wird darum gebeten, Untersuchungen zum Windfeld zeitnah anzuschliessen.

Aspekte aus dem Integrierten Maßnahmenprogramm (IMPAKT, 2013)
Die Teile des IMPAKT, die den Tourismus, ganz speziell den Wintertourismus, betreffen, sind dem Klimagutachten im Anhang unter A5 beigefugt. Gleich im 1. Abschnitt des Kapitels 4.8 heißt es: “In den Wintermonaten spielt insbesondere der Wintersporttourismus im Thüringer Wald eine zentrale Rolle. Allerdings erfordert die zu erwartende Klimaerwärmung Anpassungsmaßnahmen”. An anderer Stelle wird ausgeführt, dass diese Anpassungsmaßnahmen jedoch ausschließlich fur die Top-Gebiete in den Höhenlagen angestrebt werden sollen”. Es wird u.a. die Region Oberhof genannt. Auf S 96 des IMPAKT heißt es: "Auch wenn der Winter(sport)tourismus im Thüringer Wald in seiner gegenwärtigen Struktur in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten aller Voraussicht nach noch nicht durch den Klimawandel in seiner Existenz bedroht ist, so muss ein der Nachhaltigkeit verpflichteter Winter(sporttourismus) auch den mittel- bis langfristig zu erwartenden Entwicklungen mit proaktiven Anpassungsmaßnahmen begegnen."

Schlußfolgerungen

  • Der Thüringer Skiverband e.V., der die Belange und Interessen seiner Vereine, die Interessen des Leistungs— und Hochleistungssports in Deutschland sowie die des Breitensports und auch des Wintertourismus vertritt, lehnt den Standort des Oberbeckens für ein Wasserspeicherkraftwerk Schmalwasser am Rennsteig/Oberlautenberg ab.
  • Vor dem Hintergrund der Empfehlungen des Maßnahmenprogramms zur Anpassung an den Klimawandel (IMPAKT) kommt den Ergebnissen des vorliegenden Klimagutachtens, die vom Grundsatz her aussagen, dass die Schneedecke in einem Umkreis von 600 m ungünstig beeinflusst wird, eine fundamentale Bedeutung zu und ist höchst konträr zu den geforderten proaktiven Maßnahmen einzuordnen. Es wird darum gebeten, die in der vorliegenden Stellungnahme aufgeführten und im Gutachten z.T. genannten weiterführenden klimatischen Untersuchungen zeitnah anzuschließen.
  • Die notwendigen mehrjahrigen Baumaßnahmen für die Errichtung eines Oberbeckens am Rennsteig mit unvorstellbar großen flächenhaften Eingriffen in ein wertvolles Landschaftsgebiet > 800 m und deren Folgeerscheinungen gefährden hochgradig die Existenz des Winter(sport)tourismus in den (nach IMPAKT) am besten für Winter(sport)tourismus geeigneten Arealen des Mittleren Thüringer Waldes
  • Der Thüringer Skiverband wiederholt seine Empfehlungen der Stellungnahme Teil I vom 06.06.2013 und appelliert an die Landesregierung im Rahmen des Programms "Neue Energie für Thüringen" die eklatante Konfliktsituation baldmöglichst auf Ministeriumsebene nochmals zu beraten. Ein guter Kompromiss könnte die Variante Nordbecken sein.

Die vorliegende Stellungnahme II des Thüringer Skiverbandes wurde vom Präsidium des TSV einstimmig verabschiedet.

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