Über den Birxsteig zum WM-Sieg: Pokale zeigen das Höhenprofil des wohl berühmtesten Abschnitts der Oberhofer WM-Strecke

Veröffentlicht am: 18. Februar 2023

Der Birxsteig ist der wohl berühmteste Abschnitt der Oberhofer WM-Strecken. In diesem Jahr wird er nicht nur zum 20. Mal gelaufen, sondern stand auch Modell für die 78 Pokale, die die Sieger und Platzierten bei der Flower Ceremony in der ARENA am Rennsteig erhalten.

Johannes Thingnes Boe konnte ihn schon mehrfach in die Luft stemmen: Direkt nach den Wettkämpfen und noch vor den offiziellen Siegerehrungen mit Medaillenübergaben am Abend im Oberhofer Kurpark werden die erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler bei der Flower Ceremony in der ARENA am Rennsteig geehrt. Die drei Erstplatzierten erhalten unter anderem einen besonderen Glaspokal. Der des Siegers bringt genau 2,5 Kilogramm auf die Waage.

Entworfen und hergestellt wurden die Pokale von Design Kristall, einem Familienbetrieb aus Geschwenda (Ilm-Kreis). Jürgen und Annegret Stahlheber haben ihn Anfang der 1990iger Jahre aufgebaut, heute wird er von Tochter Sandra geführt. „Dass wir die Pokale für die Biathlon-WM beisteuern dürfen, macht uns auf jeden Fall stolz. Wir verfolgen die Wettkämpfe am Fernsehen und sind immer gespannt, wer sie hochhalten wird. Wobei es bei den Männern ja schon fast vorprogrammiert ist“, scherzen sie mit Blick auf die Erfolge des norwegischen Dominators Boe.

Für die zwölf Wettkämpfe der BMW IBU Weltmeisterschaften Biathlon 2023 in Oberhof sind insgesamt 78 Pokale für die Athletinnen und Athleten hergestellt worden. „Wir haben auch noch ein wenig Reserve da, für den Notfall, sollte ein Pokal herunterfallen“, sagen die Hersteller schmunzelnd mit Verweis auf das Missgeschick des Sprint-Weltmeisters am vergangenen Samstag.

Internationales Sportevent, regionaler Bezug

Bei der Herstellung der WM-Pokale war es den Organisatoren der BMW IBU Weltmeisterschaften Biathlon 2023 in Oberhof wichtig, den internationalen Charakter des Sportevents mit Oberhofer Alleinstellungsmerkmalen zu kombinieren. Neben der Weltkugel, in die der offizielle IBU-Biathlet gelasert ist, stellt der Grundkörper des Pokals das Original-Höhenprofil des Birxsteigs dar. „Die Idee kam uns, als wir in Vorgesprächen einen Blick auf die Besonderheiten der Strecke gelegt haben“, sagt Jürgen Stahlheber.

Der Anstieg mit einer Länge von 270 Metern ist der wohl berühmteste Streckenabschnitt in Oberhof. Die Athletinnen und Athleten erklimmen 41 Höhenmeter, bis sie auf 841,78 Metern über NN den höchsten Punkt der Strecke erreichen. Im steilsten Stück des Anstiegs müssen sie gar eine Steigung von 13 Prozent überwinden. Gepusht werden sie von tausenden Fans, die sich insbesondere am Wochenende in Zehnerreihen am Birxsteig säumen und für das typische Flair sorgen.

Der Pokal aus optischem Glas wurde zunächst mit Wasserstrahl geschnitten und dann per Handarbeit weiterbearbeitet. Dazu gehört die Dekorierung mit Sandstrahlung, die Verklebung und Komplettierung. „Damit ist jeder Pokal ein Einzelstück“, sagt Jürgen Stahlheber, der gut 14 Tage daran gearbeitet hat. Während der Fußball-WM 2006 hatte er Pokale für die Nationen, Politiker und Helfer angefertigt. Im Alltag zählen Pokale für Sportevents wie Golfturniere oder Firmenevents zum Repertoire.

20-jähriges Birx-Jubiläum mit Torte gefeiert

In diesem Jahr feiert der Birxsteig einen runden Geburtstag, weswegen Birx-Moderator René Pfeuffer unter anderem Kuchen an die Fans an der Strecke verteilte. 2003, ein Jahr vor der ersten Biathlon-WM in Oberhof, feierte der Abschnitt in seiner neuen, breiteren Form Premiere. Damals war er auf gut elf Meter Breite erweitert worden, auch um mehr Überholmöglichkeiten und damit spannendere Rennen zu bieten und neue Technik wie eine Schienenkamera zu installieren.

Der Name des Anstiegs geht übrigens auf Roland Schmidt zurück, der im Biathlon-Zirkus besser unter „Birx“ bekannt ist. Den Spitznamen hat er seinen Vorfahren zu verdanken, die aus dem kleinen Dörfchen Birx in der Rhön kamen. Er selbst lebt in Benshausen und zählt zu den Urgesteinen des Thüringer Wintersports. Er war unter anderem als Kampfrichter und als jahrelanger Streckenchef der Oberhofer Biathlon-Wettkämpfe aktiv. Und er zeigte sich für die Umbaumaßnahmen vor der WM 2004 mitverantwortlich. Dabei wurden Teile des heutigen Schießstandes auf den damaligen Hans-Herbert-Anstieg gebaut. Mit den Erdmassen aus dem Stadion ist der neue Anstieg aufgefüllt worden, der schließlich nach Roland Schmidt benannt und als „Birxsteig“ auf Karten und Schildern verewigt wurde. Für ihn ist es eine besondere Ehre. Und für die Sportlerinnen und Sportler eine große Challenge auf dem Weg zum Sieg.

 

Fotos: Kevin Voigt/Oberhofer Sport und Event GmbH, Nico Jonscher/Oberhofer Sport und Event GmbH